«36 Grad, kein Ventilator, das Leben kommt mir gar nicht hart vor.»

Wer beim Lied von «2raumwohnung» momentan mitsingt, muss ein klimatisiertes Büro haben. Oder Humor. Meiner hat die Affenhitze auf der Redaktion nicht überlebt. Ich selber lebe. Noch. Ringe nach Luft. Jede Bewegung ist eine zu viel und könnte die letzte sein. Selten fühlte ich mich dem Himmel und gleichzeitig der Hölle so nah wie in den vergangenen Tagen.

«36 Grad und es wird noch heisser.»

Redaktion «Willisauer Bote», 2. Stock. Zu meiner Linken eine Fensterfront, zur Rechten eine 1.5-Liter-­Mineralflasche mit lauwarmem Wasser. Der glühend heisse Bildschirm vor mir tut sein Übriges. Die Schreibtisch-Unterlage klebt an meinen feuchten Unterarmen, das Shirt an meinem Oberkörper. Die Storen sind längst heruntergekurbelt, versperren die Sicht auf die Festhalle und retten mich (vorerst) vor dem Hitzetod. Ich wische mir den Schweiss von der Stirn. «Läck Böbu, chli weniger wär ou kei Seich!»

«36 Gra-a-ad, Gra-a-ad.»

Die Adresse unserer Redaktion heisst nicht nur «am Viehmarkt», sie liegt auch an selbigem. In den etwas kühleren Herbsttagen hören wir dank der in die Jahre gekommenen Fenster nebst dem üblichen Verkehrslärm auch das Bimmeln der Glocken und das Muhen der Kühe. Einen authentischeren Arbeitsplatz als jenen in unserer Redaktion findet man so schnell nicht. Wir sind eben nah dran am Geschehen. Mittendrin statt nur dabei.

«36 Gra-a-ad.»

Im Winter kompensieren die Radiatoren die durch die undichten Fenster eindringende Kälte. Der Sommer-Hitze ist allerdings kein Ventilator gewachsen. Auch nicht jener, der seit Kurzem hinter mir auf Stufe 3 dreht. Die leichte Brise im Nacken lässt zwar meine Nase triefen, im Gegenzug versorgt sie mein Hirn aber mit ausreichend Sauerstoff. Vielleicht hätte es Inga Humpe, Sängerin von «2raumwohnung», auch mal mit einem Lüfter versuchen sollen:

«36 Grad, ein Ventilator, das Leben kommt mir trotzdem hart vor.»