Wir waren unzertrennlich, meine «Black Pearl» und ich. Stiessen auf Deutschen Autobahnen an unsere Grenzen. Hupten uns durch die dicht befahrenen Strassen an der Adria. Genossen die kurvenreichen Strecken über Schweizer Pässe. Anfang August trennten sich unsere Wege. Von der einen Sekunde auf die andere.

Du wolltest nicht mehr. Ich schon. Du hast gestottert. Ich gefleht. Du gestreikt. Ich geflucht. Eine undichte Stelle in deinem Inneren hat nicht nur Öl und Kühlerwasser vermischen lassen, sondern auch einen Keil zwischen uns getrieben, dich mir für immer entrissen. Selbst der Autodoktor konnte nichts mehr ausrichten. Er vermittelte. Dich ins Ausland, mir immerhin etwas Schmerzensgeld.

Und nun? Wie weiter? Direkt auf ins nächste Abenteuer? Eine neue Liebe suchen? Die «Black Pearl» einfach so ersetzen? Ich entschied mich dagegen. Erst einmal die Wunden heilen lassen. Ohne Bepanthen, dafür mit viel Zeit.

Ein fahrbarer Untersatz musste trotzdem her. Auf Leihbasis, mit rollenden Augen und einem bestimmten Unterton riss ich mir den Wagen meiner Frau unter den Nagel. Weiss statt Schwarz. Mitsubishi statt Mazda. 75 statt 147 PS. Dreitürer statt Kombi. Handschaltung statt Automatik. Fenster statt Klimaanlage. Klar, ich sollte dankbar sein. In Anbetracht der Schweissperlen auf meiner Stirn fällt mir dies jedoch zunehmend schwerer. Meine Frau hat gut Lachen: Sie hat Fahrzeugausweis und Autoschlüssel gegen Passepartout und Atemschutzmaske getauscht. Sie fährt öV, ich langsam. Ab jetzt bin ich es, der die verstohlenen Blicke der E-Bike-Fahrer ertragen muss, wenn diese im Rückspiegel immer grösser werden und zum Überholmanöver ansetzen. Von nun an kann ich mit den Bauern über Gott und die Welt philosophieren, wenn ich den Japaner mit Bleifuss respektive Mühe und Not an ihren Traktoren vorbeischiebe.

Spass bei Seite: Die oben genannten Schilderungen sind womöglich etwas übertrieben. Doch letzthin war ich wirklich froh über die Trägheit meines neuen Untersatzes. Als vor mir wie aus dem Nichts ein mobiles Radargerät auftauchte. Und mir kurzzeitig das Herz in die Hose rutschte – doch das Portemonnaie hinten links sitzen blieb.