Die Vorfreude ist gross. Erwartungsvoll entferne ich mit meinen kleinen Fingern die blaue Alufolie, die Milchzähne bohren sich in die braune Schokolade. «Wäääääääääääää» – Marzipan- statt der erhofften Erdbeerfüllung. Ich wurde veräppelt. Von einer Schokomaus.

Seither sind viele Jahre ins Land gezogen. Ich bin älter geworden, aber nicht minder anfällig auf solche Trugschlüsse. Es lauern aber auch überall Fallen. Beim Bäcker, wo sich der Mandel- als Schokogipfel tarnt. In der Kochschule, wo die «netten» Kollegen die Deckel der Salz- und Zuckerstreuer vertauschen. Ja selbst vor der eigenen Mutter bin ich nicht sicher …

Als Dreikäsehoch in den Campingferien in Italien: Ob Fussball, Boccia, Volleyball oder Wasserschlachten – wir tobten uns ständig aus, auch bei brütender Hitze. «Immer schön trinken» – diesen Leitsatz nahm ich mir bereits in jungen Jahren zu Herzen. Ich fackelte also nicht lange, als ich den orangen Plastikbecher mit dem orangen Inhalt vor meiner Mutter auf dem Tisch stehen sah. Noch bevor sie etwas sagen konnte, rann das Flüssige meine trockene Kehle runter. Orangina in Gedanken, Campari Orange im Magen. Ein bitterer Nachgeschmack, im doppelten Sinne. Bis heute bin ich traumatisiert, habe dieses Gesöff nie wieder angerührt.

Jahrelang trug ich diese bitterbösen Erlebnisse mit mir herum. Bis ich mir sagte: «Vögi, du wurdest genug verarscht. Das Imperium schlägt zurück!»

Ruswil, Fasnachtsexplo: Meine ersten Gehversuche in der Erwachsenenwelt. Der Möchtegern-Latino mit seinem Hawaii-Hemd, der Blumenkette um den Hals und der Ananas in der Hand hatte es faustdick hinter den Ohren. Oder besser gesagt in der ausgehöhlten Frucht. Das einzige Mal im Jahr, als sich Mutter Vogel ins Getümmel wagte, nutzte ich eiskalt aus. «Passoa, wotsch probiere?» bot ich ihr, den Strohhalm in der Hand, von meinem Getränk an. In fruchtiger Erwartung nahm sie – wohl auch der fortgeschrittenen Stunde geschuldet – einen mindestens ebenso grossen Schluck wie ich damals in Italien. Passoa in Gedanken, Kafi Träsch im Magen. Bitterer Nachgeschmack, süsse Rache.