Beim alljährlichen landesweiten Sirenentest heulten im Kanton Luzern am Mittwoch wieder 197 stationäre und 102 mobile Sirenen. Letztere sorgen in jedem noch so abgelegenen Hof für gespitzte Ohren.

Der lange Zeiger der Altishofer Kirchenuhr hat den tiefsten Punkt erreicht, es ist 13.30 Uhr. Doch für einmal ist es nicht die Glocke, die alles andere übertönt, sondern die Sirene auf dem Pikettfahrzeug der Feuerwehr Altishofen-Nebikon. Hinter dem Steuer sitzt Urs Pfister, Feuerwehrmann und zuständig für die Route vom Altishofer Feuerwehrmagazin bis hinauf auf die Hubebene.

Seit vier Jahren fährt er eine der beiden vom Kanton vorgegebenen Routen. Die Koordination über den Ablauf trägt die Zivilschutzorganisation Wiggertal. Armin Steffen ist der andere Fahrer, unterwegs mit dem Gemeinde-Piaggio und zuständig für die Nebiker Strecke von der Egolzwilerstrasse bis hinauf in den Graben.

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen
Die beiden mobilen Sirenen dienen der Alarmierung von abgelegenen Höfen, die ausserhalb der Reichweite der stationären Sirenen liegen. Letztere heulen auf einem Mehrfamilienhaus im Altishofer Dorf und bei der Rekag AG. Sie werden mittels Fernauslösung aus der Einsatzleitzentrale der Luzerner Polizei gesteuert und heulen Punkt 13.30 Uhr zum ersten Mal auf. Fünf Minuten später ertönt der allgemeine Alarm automatisch erneut.

Danach kommt Marco Seeholzer an die Reihe. Der Kommandant der Feuerwehr Altishofen-Nebikon ist für die manuelle Auslösung der beiden stationären Sirenen mittels Schlüssel zuständig. Erst jene in Altishofen, dann die in Nebikon. Die manuelle Auslösung kommt dann zum Tragen, wenn in einem Ernstfall die Fernsteuerung versagen sollte.

Keine Probleme im Gebiet der ZSO Wiggertal
Die Anschaffungskosten für eine stationäre Sirene belaufen sich auf 10’000 bis 15’000 Franken und werden vom Bund übernommen. Für die Wartung zuständig sind die Gemeinden. Insgesamt müsse dafür jährlich ein «tiefer fünfstelliger Betrag» aufgewendet werden, wie der Kanton auf Anfrage mitteilte.

Zur Wartung gehören unter anderem Sichtkontrolle, Softwareupdates, Batteriewechsel und Funktionskontrolle. Bei letzterer wird die Systemleistung auf 1 Prozent heruntergefahren, sodass die Bevölkerung von den Kontrollen nichts mitbekommt. So können defekte Sirenen laufend gewartet oder repariert werden. «Vor fünf Jahren war eine unserer mobilen Sirenen kaputt», sagt Marco Seeholzer. «Zum Glück haben wir dies bereits einige Tage vor dem schweizweiten Test gemerkt, sodass sie rechtzeitig ausgetauscht werden konnte.»

In den letzten drei Jahren funktionierte im Gebiet der Zivilschutzorganisation Wiggertal (elf Gemeinden) lediglich eine Sirene nicht – 2018 beim Pfaffnauer Schulhaus. Dieses Jahr gab es keine Probleme. Im Kanton Luzern funktionierten 99 Prozent der stationären und 97 Prozent der mobilen Sirenen. Die Alarmierung der Bevölkerung ist somit im Katastrophenfall sichergestellt. «Einen Einsatz im Ernstfall sowie einen Fehlalarm gab es – seit ich im Amt bin – zum Glück noch nie», sagt Seeholzer, der seit mittlerweile 27 Jahren der Feuerwehr angehört.

Der grosse Zeiger der Altishofer Kirchenuhr hat den obersten Punkt bereits überschritten. Es ist 14.04 Uhr, etwas mehr als eine halbe Stunde dauerte der Spuk. Urs Pfister hat die 13 Kilometer lange Strecke zurückgelegt, drückt erneut auf den rot leuchtenden Knopf der Alarmsteuerung. Die lauten Töne verstummen, es kehrt wieder Ruhe ein.