Oskar Steiner fliegt seit 20 Jahren Passagiere ans Lauberhornrennen. Der Basisleiter von Swiss Helicopter in Pfaffnau über verschärfte Vorschriften, den «Guggiföhn» und seine persönliche Schallmauer.

Oskar Steiner, am kommenden Wochenende stehen die 89. Internationalen Lauberhornrennen an. Für Sie persönlich ist es ein Jubiläum.
Vor 20 Jahren bin ich zum ersten Mal über den Hundschopf geflogen. Zwar «nur» zu einem Abfahrtstraining, dafür aber als einziger Pilot. Nach der Jahrtausendwende nahm die Zahl an Rotationen enorm zu, es ist förmlich ausgeartet. Zwischenzeitlich teilten sich 35 Helikopter den Luftraum. Es ging so weit, dass das BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt, Anm. d. Red.) die Vorschriften verschärft hat. Die Sichtminima wurde erhöht, die Anzahl an Rotationen verringert. Am Wochenende werden rund 15 Helis im Einsatz sein, darunter drei von uns.

Wie lange dauert der Flug von Pfaffnau auf die Lauberhornschulter und wie viel kostet er?
Wenn wir direkt fliegen sind es 26 Minuten, pro Person verrechnen wir 470 Franken. Am Samstag fliegen wir einmal zurück in die Region, um weitere Gruppen zu holen, anschliessend helfen wir bei der Luftbrücke und fliegen von Lauterbrunnen aus auf die Lauberhornschulter. In den vergangenen Jahren transportierten wir zusammen mit der Air Glacier und den anderen zugemieteten Helis rund 1000 bis 1500 Personen.

Können Sie die Flüge überhaupt geniessen?
Sofern das Wetter es zulässt, ja. Wenn die Sonne am Morgen über den Berggipfeln aufgeht und Eiger, Mönch und Jungfrau anstrahlt, ist das schon einmalig.

Einmalig ist auch die Abfahrtsstrecke, mit über 4400 Metern die längste der Welt. Und das Lauber-horn wartet mit einem weiteren Weltrekord auf: Johan Clarey hatte bei seiner Fahrt 2013 im Haneggschuss 161,9 km/h auf dem Tacho. Könnte der Franzose mit Ihnen mithalten?
Durchaus: Bergauf fliegen wir in etwa mit derselben Geschwindigkeit (lacht). Mit den Skiern bin ich allerdings nicht ganz so schnell unterwegs: Vor einigen Jahren gab es beim Haneggschuss eine Tempomessung für Hobbyfahrer. Nach mehreren Versuchen knackte ich tatsächlich meine persönliche Schallmauer und schaffte 114 km/h. Die Skier haben allerdings ganz schön geflattert. Vor den Abfahrern habe ich grössten Respekt. Genauso vor dem Wetter.

Der berüchtigte «Guggiföhn» hat die Verantwortlichen der Lauberhornrennen schon oft vor unlösbare Aufgaben gestellt …
… und so ein grosses Loch in unsere Kasse gerissen. Die Lauberhornrennen sind für uns mittlerweile eine wichtige Einnahmequelle, nicht zuletzt, da im Winter die Nachfrage nach Rundflügen geringer ist als im Sommer. Für kommenden Samstag stehen die Prognosen aber – Stand heute – zum Glück gut.

Wo sind Sie anzutreffen, wenn sich der erste Fahrer aus dem Starthaus stürzt?
Sofern ich meinen Heli auf der Lauberhornschulter parkieren kann, bin ich im Startgelände, unterhalte mich mit den anderen Piloten und verfolge – dick eingepackt wie ein Eskimo – das Rennen. Auch nach 20 Jahren am Lauberhorn bin ich immer noch ein «Gfrörli».