Goldmünzen, Silbersäbel oder bronzenes Amulett: Jeder träumt davon, einmal in seinem Leben einen Schatz zu finden. Als kleiner Pirat war ich nahe dran. Mit einer Klappe überm Auge und einem Plastikschwert in der Hand suchte ich an der Fasnacht nach liegen gebliebenem Kleingeld. Das Gefundene reichte für etwas Süsses. «Arrrr». Damals halbwegs blind, habe ich heute den Durchblick. Weiss was es heisst, einen wahren Schatz zu besitzen.

Unauffindbar ist er verstaut, wartet darauf, ausgegraben zu werden. Klein, schwarz, matt – die Tarnung ist perfekt und lässt nicht erahnen, welch immenser Wert sich hinter der Fassade versteckt. «Mallorca 2010», «Fasnacht 2012», «Best of». Lauter Schätze, die nur auf den nächsten runden Geburtstag, eine Hochzeit oder ein Familienfest warten.

Knipsen andere Sehenswürdigkeiten, lege ich meinen Fokus auf Freunde. Ist die Situation auch noch so peinlich – ich halte drauf. Während sich der eine mit Taucherbrille, Stumpen und Schweizerfahne auf dem Balkon räkelt, oder sich der andere nach einem mit dem Gesicht gestandenen Salto die Nase richtet. Die Aufnahmen sind Unikate, deren Wert mit Geld nicht zu beziffern ist. In den letzten Jahren hat sich so eine enorme Fülle an verunglimpfenden Bildern angehäuft. Ordner an Ordner, fein säuberlich abgelegt auf der externen Festplatte.

Die Aufnahmequalität hat sich seit Beginn meines Sammelfiebers von grauenhaft zu exzellent entwickelt. Besonders bei den Nachtaufnahmen ist der Unterschied unübersehbar. Der erste gemeinsame Urlaub mit Freunden am Ballermann: Phantombilder, die nicht mal der Polizei weiterhelfen würden. Der letzte Weihnachtsstrip nach Freiburg: gestochen scharfe Aufnahmen, welche an der Identität des Fehlbahren keinen Zweifel aufkommen lässt.

Diese Tatsache ist mir selbst zum Verhängnis geworden. Meine Freunde haben den Spiess für einmal umgedreht, mich mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Sie mögen nun eine Aufnahme besitzen, in der ich nicht die allerbeste Figur mache. Doch sie sollten sich eines vor Augen führen: Ein einzelnes Goldstück macht noch lange keinen Schatz.