«Und dann die Hände zum Himmel, komm lasst uns fröhlich sein.» Ja klar, aber irgendwo hört der Spass auf. Den Vogel hab ich wieder mal abgeschossen. Gestern Abend. Ob atemlos durch die Festhütte oder jenseits vom Tresen? Die Spuren von Griechischem Wein und Zehn kleinen Jägermeistern auf meinem Ärzte-Kittel lassen den Abend nur unzureichend rekonstruieren.

Was ich nicht verschüttete, rann meine Kehle runter. Direkt in jenes Organ, welches wohl kurz vor dem Kollaps stand. «Eine neue Leber ist wie ein neues Leben.» Dass ich keinen Spender gefunden habe, scheint die Fasnachtsgesellschaft Reiden wenig zu interessieren. Statt den Umzug wie seit vielen Jahren am Güdisdienstag durchzuführen, hat sie ihn auf heute Freitagnachmittag vorgezogen.

Redaktor Vogel muss früher aus den Federn als ihm lieb ist. Bereits um 14 Uhr gehts los. Kater, Kopfweh, Kamera – schweres Gepäck, mit dem ich mich durch den Korso kämpfen werde, auf der Suche nach dem perfekten Motiv. Früher brauchte ich weder Motiv noch Kamera. Ich sorgte auch so für Blitzlichtgewitter.

In der morgendlichen Dunkelheit des SchmuDo machte sich klein Vogel mit einem sprengstoffbeladenen Rucksack auf den Weg zum unteren Dorfbrunnen, dem Treffpunkt der Rusmeler Pyroszene. Raketen, Meteoriten, Frauenfürze, Lufthüüler, Rauchbomben oder Thunder – Pyroman Vogel verchlöpfte sein Sackgeld, wortwörtlich.

Lassen normale Menschen ihre Raketen in den Himmel steigen, explodierten meine unter der Wasseroberfläche des Dorfbrunnens. Einen verlotterten alten Briefkasten erlöste ich mittels Thunder von seinen Leiden. Heiss zu und her ging es auch in jenem Robidog, der für einmal nicht Exkremente, sondern einen Meteoriten mit brennender Zündschnur schlucken musste.

Schnee von gestern? Mitnichten. Die Spuren, welche meine «Pyro»-Freunde und ich hinterlassen haben, mögen zwar optisch verblasst sein – in meinem Gedächtnis aber haben sie sich fest eingebrannt. Anders als der gestrige Abend, der mir heute aufs Gemüt schlägt. «Die Hände zum Himmel?» Mir ist eher nach «Wahnsinn, warum schickt ihr mich in die Hölle» zumute.