Blauer Himmel, präparierte Pisten: Ein perfekter Skitag – wäre da nicht der voll besetzte Sessellift, der mit immer grösserer Geschwindigkeit rückwärts fährt und jene Fahrer mit Hilfe des Drehrades und der Zentrifugalkraft aus dem Sessel katapultiert, die nicht schon vor Erreichen der Talstation abgesprungen sind. Skier fliegen durch die Luft, Stöcke werden zu Geschossen.

Das Video aus einem georgischen Skigebiet sorgte vor rund zwei Jahren für weltweites Aufsehen und war vor Kurzem auch in meinem Freundeskreis Thema. Grund: Ein bevorstehendes Skiweekend im Hasliberg. «Hoffentlich dieses Wochenende kein Express-Lift.» Mit diesen Worten kommentierte der Versender das Video.

Blauer Himmel, präparierte Pisten: Ein perfekter Skitag – trotz voll besetztem Sessellift. Die Bretter unter den Schuhen festgeschnallt, haben wir die ersten Abfahrten hinter uns. Die Temperatur steigt, die Menschenschlangen vor den Stationen nimmt zu. Umso befreiender der Moment, in dem man sich rücklings in den Sessel plumpsen lassen und die Beine auf dem Querbalken abstellen kann. Ein schwacher Wind zieht uns um die Helme, während wir vom mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Sessellift einen Dreikäsehoch beobachten, der sich furchtlos den Hügel hinunterstürzt. In der Ferne ziehen Freerider ihre Spuren in den Tiefschnee.

Die Bergstation in Sicht, wollen die ersten im Lift bereits den Sicherheitsbügel öffnen. Doch plötzlich wird das Surren der Bahn leiser. Der Sessel verliert an Tempo. Mein Herzschlag nicht. Wir schaukeln hin und her, just an der höchsten Stelle der ganzen Strecke. Ruhig Blut, ruhig Blut, rede ich mir ein. Es wird sicher gleich weitergehen. Doch es geht nicht weiter. Natürlich feixen die Mitinsassen über meine Höhenangst. «Gehts?» «Ja, klar gehts – verschissen, um genau zu sein.» Meine Laune wird erstaunlicherweise erst besser, als sich der Sessel langsam rückwärts in Bewegung setzt. Die panischen Blicke meiner Sitznachbarn sind wie Balsam auf meine (Höhenangst-)Seele. Im Übereifer und mit neuem Lebensmut setze ich zur Retourkutsche an: «Könnt ihr euch an das Video aus Georgien erinnern? Wir hätten ziemlich viel Anlauf …»