Blauer Himmel, weisse Piste: Ein Traum für jeden Skifahrer, eine explosive Mischung für mich. Ich bin ein gebranntes Kind – und spiele dennoch immer wieder mit dem Feuer…

Die Menschheit kennt sechs verschiedene Hauttypen, vom keltischen bis hin zum schwarzen. Während der Ureinwohner Afrikas sorglos 90 Minuten in der Sonne liegen kann, sind für den typischen Nordländer bereits zehn Minuten zu viel. Ich aber werde rot, wenn ich nur schon an die Sonne denke.

Dennoch verbindet mich mit dem Kelten viel: blaue Augen, rötliche Haare und sehr heller Teint. Wie der Kelte werde ich nicht braun, sondern bekomme Sommersprossen. Aber erst, wenn ich rot geworden bin. Krebsrot.

Geht die Rötung zurück, bin ich rosa. Medium Rare, um es in den Worten eines Koches zu formulieren. Oder wie meine Mutter nach jedem Urlaub zu sagen pflegt: «Du hast ein bisschen Farbe angenommen.» Na dankeschön, welche denn? Die vom Schwein? Oder doch jene des Flamingos?

Farbe annehmen, das will im Urlaub auch immer der Engländer. Sein Hauttyp konkurriert mit meinem, hat aber null Chance. Ich röte in einer eigenen Liga. Er: Nackter Oberkörper, Sonnenöl, pralle Sonne. Ich: T-Shirt, Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50, Sonnenschirm. Ergebnis: roter Engländer, knallroter Vogel. Ein Rotkehlchen sozusagen.

Was ich mir im Freibad von meinem Freundeskreis schon alles anhören musste: «Zieh dein Shirt wieder an, es blendet!» – «Sei gegrüsst, weisser Hai!» – «Ist ein Leuchtturm ins Meer gefallen?» – «Bleich, bleicher, Vögi!» Im Gegensatz zu den Sonnenstrahlen prallen solche Sprüche an mir ab.

Werden die Tage kürzer und die Sonnenstrahlen schwächer, verschwinden meine Sommersprossen. Für Farbtupfer in meinem Milchgesicht sorgen in der kalten Jahreszeit Fahrten auf der weissen Piste. Über der Nebeldecke, wo nicht nur Pulverschnee, sondern auch warme Sonnenstrahlen warten. Ein Mittagsschlaf auf über 2000 Metern Höhe, die Wintersonne im Gesicht: das nächste Rotkehlchen ist im Anflug.