Der letzte Samstag hat Spuren hinterlassen: Während die Fahrer auf der Piste Gas gaben, taten wir selbiges am Streckenrand. An alles kann ich mich weiss Gott nicht mehr erinnern, wohl aber an einen Satz, der sich in mein Hirn gebrannt hat: «Där Cheib ünterstüze wier sicher nit.»

Es ist morgens um halb Acht, ich sitze in der Wengernalpbahn. Die traditionelle Lauberhornabfahrt steht an und zieht Tausende von Zuschauern an. Eine von ihnen ist die Walliserin, Mitte dreissig, roter Skianzug, rote Bommelmütze, die sich direkt neben uns ins Viererabteil gesetzt hat. Sie erzählt – wohl auch dem Vorabend mit reichlich Hochprozentigem geschuldet – ihre Lebensgeschichte. Bald schon sind die Augen und vor allem die Ohren aller im Abteil anwesenden Personen auf sie gerichtet. Bei diesem Dialekt muss man einfach hinhören …

«Wier hei z’Gagglo värgässu», beantwortet sie die Frage, wieso sie denn alleine unterwegs sei. Erneut runzle ich die Stirn. Es ist ja sonst schon schwierig, «Wallissertiitsch» zu verstehen, aber dies noch am Morgen früh und mit einem Gegenüber, das nach Suze, Fendant und Pastis riecht? «Z’Gagglo?» wiederhole ich, ehe ich die Kartonschachtel unter ihrem Arm mustere. Ach so, ein Fondue-Caquelon. «Drii Gagglo hätte wier im Hotel gha, alli värgässu.» Nun habe sie ihr Tagessoll erreicht, da sie zurück ins Hotel gegangen sei und ein «Gagglo» aufgetrieben habe.

Sie strahlt, während sie von ihrer Heimat und ihrem reichen Vater erzählt. «Im Constantin e Jongi?», rutscht es mir raus. Sie verdreht die Augen, schüttelt den Kopf und beginnt über den Herrscher des FC Sion und dessen alljährlichen Gala-Abend herzuziehen. «Driihundert Stei fir ä biz Süürchabos – där Cheib ünterstüze wier sicher nit.»

Wengernalp, das Abteil leert sich. Auch die Walliserin macht sich auf den Weg Richtung Girmschbiel. «Ier miesst ämal ins Tourbillon cho», sagt sie zum Abschied. Sie habe sich im Sommer wieder eine Saisonkarte gekauft, erzählt sie stolz. Beim FC Sion. Bei Constantin. Eben jenem Patron, den sie partout nicht unterstützen wollte. Konsequent inkonsequent. So wie ich, der am letzten Samstag eigentlich nicht allzu viel trinken wollte.