Ich bin ein entspannter Typ, geniesse das Leben mit all seinen Facetten. Mein Ruhepuls dürfte vergleichbar sein mit jenem eines Igels im Winterschlaf. Dessen Herz schlägt lediglich 18 Mal pro Minute. Ich rege mich nur selten auf – es sei denn, ich sitze im Auto. Dann steigt statt der Tachonadel meist mein Puls. Um mindestens das Zehnfache.

60! Schwarz auf weiss! Rot umrandet! Unübersehbar stehen die Tafeln am Strassenrand. Und doch schafft es diese Schnecke vor mir nicht über 40 km/h hinaus. Hat die den Tempolimit-Aufkleber hinten an ihrer Rostlaube vergessen? Oder hat sie einfach zu wenig stramme Waden, um das Gaspedal durchzudrücken? «Wenn du die Landschaft geniessen willst, dann geh doch zu Fuss! Oder bleib gleich zu Hause!»

Natürlich kommen in regelmässigen Abständen Autos entgegen, sodass ich nicht zum Überholmanöver ansetzen kann. Statt meinem Ärger mittels Bleifuss Luft zu verschaffen, krieche ich hinter dieser Temposünderin her. Doch der Druck muss weichen: «*****, *****, *********!» Bei diesem Schneckentempo fängt mein Herz an zu rasen. Einen Gang runterschalten? Ich komme erst so richtig in Fahrt – wuttechnisch …

Endlich! Die Schnecke biegt rechts ab. Byebye du Lahmarsch. Auf nimmer Wiedersehen. Ich stelle den linken Blinker, von rechts kommt ein Auto. Wird knapp, deshalb warte ich. Will ja niemanden ausbremsen. Fünf, sechs, sieben. acht. Herrje, das hätte längst gereicht. Denn natürlich sitzt am Steuer des anderen Autos – wieder ein Temposünder. Einer der ganz dreisten Sorte.

Erst als er direkt vor mir steht und nach links abbiegt, stellt er den Blinker. Jetzt platzt mir endgültig der Kragen: «Du blödes *********! Würdest du über deine Motorhaube hinausdenken und hättest so etwas Ähnliches wie Verkehrssinn, wäre ich längst über alle Berge.» Während er langsam an mir vorbeischleicht, erhebt sich in Gedanken der längste aller Finger aus meiner Faust.

Zu allem Überfluss zelebriert der Verkehrsbehinderer seinen «Triumph». Ausgiebig und fast schlimmer noch als Ronaldo seine Tore. Den Kopf hin und herwippend, die Lippen zu einem O geformt, pfeift er nicht nur auf meine Nerven, sondern auch noch zur Musik. Lass mich raten: