Freitag, der Dreizehnte. Drei Wörter, die Abergläubische erschaudern lassen. Ich bin da wohl die Ausnahme. Denn ich weiss: das Schicksal hält sich an kein Datum und schlägt zu(rück), wann immer es will.

Neben oder besser gesagt auf einem kleinen Fussballplatz bin ich gross geworden. Jede freie Minute verbrachte ich auf dem Feld. Elferkiller, Arschball oder Zwei gegen Zwei – hatte ich einen Ball am Fuss, war ich glücklich. So auch an jenem Sommermorgen, der trotz blauem Himmel düster werden sollte…

Die Sonne steht noch tief, das Gras ist feucht. Ein Morgen aus dem Bilderbuch. Es ist Sommer 1998, die Ferien in Italien und die Weltmeisterschaft in Frankreich haben auf mich abgefärbt. Ich trage die 10 auf dem Rücken, darüber in Grossbuchstaben ZIDANE. Mit der Original-Fälschung am Oberkörper, dem Ball unter dem Arm, den Nocken an den Schuhen und viel zu grossen Torwarthandschuhen schreite ich vor die Tür und krieche unter dem kaputten Zaun durch aufs Feld.

Die Minuten vergehen. Schuss um Schuss gebe ich aufs leere Tor ab, bis mich die Langeweile packt. Auf dem Spielplatz direkt hinter dem Fussballfeld entdecke ich meinen kleinen Nachbarn, der heute – kein Witz – Torwart ist. «Raphi, wettsch ned cho tschutte?» Er sei noch zu klein, meint der Dreikäsehoch. Doch ich wusste schon damals: Es gibt nicht grosse und kleine Goalies, es gibt nur gute und schlechte.

Nach einigen Überredungskünsten steht er im Kasten. Ich setze den Ball, nehme Anlauf und treffe. Mit dem ersten Schuss. Voll auf die Zwölf.

Wie ein Mehlsack geht mein Nachbar zu Boden, bevor sein Geschrei die halbe Nachbarschaft auf meinen Volltreffer aufmerksam macht.

Fast 20 Jahre sind seither vergangen. Wir sind grösser geworden. Kräftigere Beine sorgen mittlerweile für strammere Schüsse – was gleich geblieben ist: Niveau und Platz. Auf letzterem wird immer noch gekickt, allerdings nur, wenn die Verhältnisse schlecht und alle anderen Plätze gesperrt sind. So wie vor kurzem…

Der traditionelle Match zum Abschluss des Trainings ist in vollem Gang: Rückpass zum Torhüter, dessen unkontrollierter Abschlag nicht allzu weit kommt. Drei Meter um genau zu sein. Gestoppt von meinem Gesicht. 1:1. Der Ausgleich. Nach 20 Jahren.