Jesolo, Italien, diesen Sommer. Die Ferien neigen sich dem Ende entgegen, ein letzter Höhepunkt steht an, wortwörtlich. «Captain Spacemaker»: Mit 42 Metern nicht nur Aushängeschild des grössten Vergnügungsparks des Landes, sondern auch die höchste in Betrieb stehende Wasserrutsche der Welt. Trotz Höhenangst will ich mir diesen Ritt nicht entgehen lassen.

Ich stehe am Fusse der Rutsche, warte auf das Viererboot, das es den Turm hochzubringen gilt. In der Schlange vor mir vier Briten, drei stämmige ein übertrainierter: Oberarme, so dick wie meine beiden Oberschenkel zusammen, ein Sixpack aus Stahl und eine Oberweite, die manche Frau vor Neid erblassen lässt. Item.

Das Viererboot ist da. Zu dritt machen wir uns auf den Weg nach oben. Die ersten Meter lege ich ohne Probleme zurück. Doch je weiter die Wendeltreppe gen Himmel führt, desto zittriger werden meine Knie. Der seit Längerem sanierungsbedürftig scheinende Turm wackelt mit jedem Tritt, den es aufwärts geht, bedenklicher. Das Panorama ist grossartig – wäre da nicht das mulmige Gefühl im Magen. In der Ferne ein Kreuzfahrtschiff, das Venedig ansteuert. Wie gerne wäre ich jetzt auf Meereshöhe.

Nur nicht direkt nach unten schauen. Ja nicht, sage ich mir. So bringe ich die restlichen Meter hinter mich. Nur noch die Briten trennen mich vom Starthaus. Doch sie scheinen ein Problem zu haben. Der Observator bittet die Vierergruppe auf die Waage – zu schwer. Einer darf nicht mit. Der Muskelprotz opfert sich, will den Turm zu Fuss abwärts gehen – doch wir laden ihn in unser Boot ein. «Ok», willigt er schliesslich ein, sich nicht dessen bewusst, unser Frontmann zu sein. Widerwillig und mit blankem Entsetzen im Gesicht nimmt der Koloss zuvorderst im Boot Platz. Direkt vor mir sitzend klemmt er meine dünnen Beine unter seine monströsen Arme, als müsste er sich an mir festhalten. Dann schaltet die Ampel auf Grün.

Nicht nur mein Puls schnellt in die Höhe, als wir über die Kuppe fast senkrecht mit beinahe 100 km/h nach unten schiessen. Eingeschlafen sind bei diesem Höllenritt trotzdem zwei: meine blutleeren Beine.