Meine Ferienwoche neigt sich dem Ende entgegen. Feierlicher Abschluss markiert das Heitere Open Air. Doch die Party hängt für mich am seidenen Faden.

Es ist Samstagnachmittag, kurz vor halb Vier. Gemütlich sitzen wir mit einem Glas Weisswein in der Hand auf der Gartenlounge eines befreundeten Pärchens in Zofingen, lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen, diskutieren über Gott und die Welt, über Sinn und Unsinn der Covid-Impfung, über die Nutzung von Handys am Tisch.

Wer mich kennt oder mit mir unterwegs ist, weiss: Ich bin kein typischer Smartphone-Nutzer. Ich bin weder ein schneller Zurück-Schreiber noch muss ich sämtliche Status-Meldungen abklappern. Am wenigsten, und ich meine wirklich am allerwenigsten, bin ich scharf darauf, sämtliche Inhalte meines Lebens mit anderen zu teilen. Den Ausflug in die Berge speichere ich lieber in meinem Kopf ab, als ihn ins Netz zu stellen. Statt das Smartphone krame ich den Gipfelwein aus dem Rucksack. Jeder, wie er mag.

Laut dem DataReportal Digital 2021 besitzen in der Schweiz 96.4 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon und nutzen dieses durchschnittlich 2 Stunden und 22 Minuten am Tag. Da kann ich nicht mithalten. Selten erreiche ich meine selbst auferlegte Obergrenze von einer Stunde. Es sei denn, mein Verein, Borussia Dortmund, spielt, und ich kann weder vor dem TV, noch am Radio mit dabei sein. Dann läuft mein Smartphone heiss, ich werde zum Junkie. Checke minütlich den Liveticker. Fluche, juble, fluche, juble.

So auch heute. 0:1. 1:1. 1:2. Pause. Wir machen uns fertig für den Marsch auf den Heitere. Auf dem Weg nippe ich an einem Bier, Nervennahrung. 2:2. Ich balle die Faust. 2:3. Heilandsack! Das Wechselbad der Gefühle ist nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmenschen eine Tortur. Ist der BVB erfolgreich, bin ich überglücklich. Verliert Schwarzgelb, sieht man es mir schon von Weitem an. Ändern kann ich das nicht. Manchmal wünschte ich, ich wäre einfach nur Fussballfan und würde keinen Verein supporten. Heute aber habe ich Grund zum Feiern. 3:3. 4:3. Der BVB kehrt die verrückte Partie und gewinnt. Hallelujah!

Ich bin glücklich, alle anderen um mich herum sind erleichtert. Die Party kann losgehen.