«Oooh, die gsed de guet uus.» Grazil steht sie da, diese dunkle Schönheit, lässt sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Wieso auch? Ein goldenes Netz umgarnt ihr schlichtes Kleid, sie versprüht Stil, Glamour – zum mit der Zunge schnalzen. Nicht von schlechten Eltern ist aber auch die andere Augenweide direkt neben ihr: In ihrem samtfarbenen Umhang wirkt sie elegant und majestätisch. Beide präsentieren sich im Scheinwerferlicht, reissen Blicke auf sich; doch lassen selbige abprallen wie Projektile an einer schusssicheren Weste. Verschlossene Schönheiten.

Auf der anderen Seite ich: schüchtern, drahtig, krumme Nase, schräger Blick. Mir wurde mal gesagt, die wahre Schönheit komme von innen. Als wäre es um mich nicht schon schlimm genug bestellt. Nehme ich es wortwörtlich, kann ich auch mit meinen inneren Werten nicht punkten: zwei Lungenflügel, die bereits nach der zweiten Treppenstufe nach Sauerstoff lechzen, eine Leber, die ihren Zenit längst überschritten hat und ein Herz, das beim Auto fahren aufgrund von Schleichern meist schneller rast als Mikka Häkkinen zu seinen besten Zeiten. Statt zu hadern, übe ich mich in Zweckoptimismus, mache mir weiterhin Hoffnungen.

Die beiden Schönheiten scheinen begehrt, haben nicht nur mein Interesse geweckt. Um uns herum herrscht emsiges Treiben. Ein Schubser hier, ein Rempler da. Doch ich bewege mich keinen Millimeter, stehe wie ein Fels in der Brandung, markiere den Platzhirsch. Mach dich vom Acker, die gehören mir! Langsam sind wir vertraut, die ersten Annäherungsversuche scheinen Früchte zu tragen.

Mittlerweile konnte ich mehr in Erfahrung bringen über meine zwei Auserwählten. Die eine ist Spanierin, kommt aus dem Baskenland, die andere hat französische Wurzeln, ist im Elsass gross geworden. Beide sind ungefähr gleich alt, die eine temperamentvoll, die andere süss. Beide voluminös, aber sonst grundverschieden. Ich fahre ja wirklich nie zweigleisig, aber in diesem Fall … Alles abwägen nützt nichts. Ich kann und will mich nicht entscheiden, gehe auf Nummer sicher – und sehe schon wie meine Freundin die Augen verdreht: «Chom mer nämed beidi Fläsche, im Wii-Regal heds jo no Platz.»